Ostwall Museum: Offener Brief der Fachschaft Kunst der TU Dortmund an den Rat der Stadt Dortmund

Dortmund, 11.05.2014

 

An den Rat der Stadt Dortmund

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezüglich der am 15. Mai zu treffenden Entscheidung über die Zukunft des ehemaligen Museums am Ostwall schreibe ich Ihnen im Namen der Fachschaft Kunst der TU Dortmund.

 

Wie Sie wissen, besteht der größte Teil der Studierendenschaft, aus jungen Menschen, sogenannten digital natives. Wir sind eine Generation, die täglich viel Zeit an digitalen Orten verbringt und Web 2.0 nutzt, um Kommunikationsprozesse zu beschleunigen und zu optimieren. Des Weiteren sind wir der Überzeugung, dass Kultur ebenfalls Platz in digitalen Räumen hat. Gerade weil wir uns dieser Erweiterung der menschlichen Lebenswelt bewusst sind, erkennen wir gleichzeitig die Unersetzlichkeit nicht-digitaler, historischer Räume und plädieren für den Schutz dieser – denn nur hier geschieht intensives und unmittelbares Erleben und Erinnern. Wenn Sie sich also, trotz der vielen Ideen und Träger für eine angemessene Folgenutzung, gegen den Erhalt des Gebäudes des ehemaligen Musuems am Ostwall entscheiden, nehmen Sie uns somit einen einzigartigen Ort der Spurensuche regionaler Geschichte und Baukunst. Sie würden Dortmunds Stadtbild den ältesten Kulturbau entziehen und damit dieser Stadt ein essentielles Stück Geschichte rauben.

 

Wir leben an Orten, in Räumen, sowohl digitalen, als auch analogen, mit Menschen zusammen, um Mitmenschen zu sein. Gemeinsam gestalten wir unsere Lebensräume und -welten – doch funktioniert dies nur, indem man aus Vergangenem lernt. Die städtebauliche Entwicklung Dortmunds einerseits zukunftsorientiert vorantreiben zu wollen, ist unvereinbar damit, auf der anderen Seite die Relevanz des ältesten Profanbaus der Stadt, mit seinem einzigartigen Lichthof aus der Kaiserzeit, zu verkennen. Der Abriss eines so wichtigen architektonischen Zeitzeugnisses trägt zur Entwurzelung der Bürger von der Geschichte ihrer Stadt bei.

 

Der Historiker Karl Schlögel spricht von einem Ort als „letzte Instanz gegen die Löschung der Erinnerung“. Unsere Stadt hat sehr wenige kulturelle Orte, die ihre Authentizität trotz Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten bewahren durften. Erlauben Sie bitte nicht, dass diese wertvolle, architektur-historische Spur unwiderruflich ausgelöscht wird.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Vanessa Pfänder

 

2. Vorsitz des Fachschaftsrates Kunst, TU Dortmund