Fotos nachträglich schärfen

Fotos nachträglich schärfen

 

Jeder hat dieses Problem schon einmal gehabt. Wir haben ein Foto gemacht, was uns eigentlich gut gefällt. Aber irgendwie fehlt noch etwas. Bei genauerer Betrachtung fällt uns dann auf, dass das Foto zwar grundsätzlich scharf ist, ihm dennoch aber der Kick fehlt. Es ist vielleicht etwas zu glatt, zeigt zu wenig Details.

 

Zu geringer Kontrastumfang und mangelnde Detailschärfe können durch

 

  • Staub oder Kratzer auf Filtern oder dem Objektiv selbst
  • falsche Scharfstellung
  • Bewegung des fotografierten Objekts
  • Bewegung der Kamera beim Schuss
  • ein qualitativ schlechtes Objektiv
  • eine verzerrende Fläche zwischen Kamera und Motiv (z.B. Fensterscheibe)
  • oder auch durch eine zu hohe Vergrösserung des Fotos

 

verursacht werden.

 

Einige der genannten Probleme können wir schon vor dem „Schuss“ vermeiden.

 

  • Kontrollieren und reinigen Sie regelmässig Filter und Frontlinsen der Objektive
  • Betätigen Sie den Auslöser behutsam mit einem durchgängigen, ruhigen Druck darauf
  • Nehmen Sie sich, soweit möglich, Zeit für die Fokussierung
  • Bei langen Belichtungszeiten sollten Sie die Kamera immer auf ein Stativ montieren oder fest auf ein Hilfsmittel legen (Tisch, Geländer, Bohnensäckchen etc)
  • Dasselbe gilt bei Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe. Nutzen Sie, wenn notwendig, den Zeitauslöser der Kamera oder sogar einen Fernauslöser
  • Wenn Sie bei langen Belichtungszeiten oder wenig Schärfentiefe kein Stativ oder keine Auflagemöglichkeit haben und aus der freien Hand fotografieren, lösen Sie den Auslöser beim Ausatmen aus, kurz bevor Sie wieder einatmen
  • Manche Zoomobjektive haben die Eigenschaft, bei Nutzung der längsten Brennweite nicht mehr korrekt scharfstellen zu können. Testen Sie also nach Kauf eines Zoomobjektivs aus, ob das so ist und vermeiden Sie ggfs. die Ausnutzung der vollen Brennweite
  • Zu geringer Abstand führt ebenso dazu, dass nicht scharf gestellt werden kann. Informieren Sie sich also in der Anleitung zu ihrem Objektiv über den geringsten möglichen Motivabstand (Naheinstellgrenze)

 

Zeigt ein Foto anschliessend immer noch zu geringe Kontraste und/oder Detailschärfe, könne Sie mit Hilfe von Photoshop, GIMP oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen in den meisten Fällen immer noch mehr Schärfe ins Foto bringen.

Die „Zauberworte“ sind in dabei „unscharf maskieren“.

 

Als Beispiel dient uns in diesem Zusammenhang das Portrait eines Hundes:

 

 

Dieses Foto ist schon im Original recht gut gelungen, aber erscheint uns bei den Haaren und Fellstrukturen noch zu „weich“.

 

Um mehr Details hervorzuheben, benutzen wir die Funktion bzw. den „Filter“ unscharf maskieren.

 

Diese Funktion verändert den Kontrast an Objektkanten und sorgt so für eine höhere optische Schärfe.

 

In Photoshop Elements finden wir diese Funktion unter dem Punkt „überarbeiten“ im Hauptmenü. In Photoshop unter „Filter – Scharfzeichnungsfilter“.

 

Es öffnet sich ein neues Fenster mit mehreren Reglern und einer kleinen Vorschau auf einen Teilbereich des zu bearbeitenden Fotos. Im Normalfall wird der Ausschnitt mit einem Zoomfaktor von 100% bezogen auf die tatsächliche Bildgrösse angezeigt.

 

Um einen direkten Vergleich zwischen Original und dem angezeigten Ausschnitt zu haben, entfernen Sie den Haken bei „Vorschau“.

 

Die nun zur Verfügung stehenden Funktionen wirken sich auf das Ergebnis aus.

 

Mit dem Regler für „Stärke“ erhöhen Sie nun den Effekt solange, bis die gewünsschte Detailschärfe erreicht ist. Ziehen Sie dabei den Regler ruhig auch mal „bis zum Anschlag“ nach rechts, um zu sehen, was dabei passiert. Das Bild wird „überschärft“ und sieht in den allermeisten Fällen nicht mehr gut aus. Suchen Sie also durch Verschieben des Reglers den optimalen Punkt.

 

Mit dem Regler Radius steuern Sie, wie viele Pixel um eine Objektkante in die Funktion einbezogen werden sollen. Je höher der Wert, desto grösser wird der Effekt.

Für die Darstellung an einem Bildschirm wird bei hochauflösenden Fotos ein Wert zwischen 1 und 2 empfohlen.

 

Hinweis: für die Bildschirmdarstellung reicht dies völlig aus. Wollen Sie ein Foto für den Druck oder eine Ausbelichtung bearbeiten, muss dieser Wert erheblich höher aangesetzt werden, da ein Radius von 1 – 2 bei einem hochauflösenden Foto im Druck kaum einen Effekt zeigt!

 

Der letzte Parameter „Schwellenwert“ legt fest, wie stark sich die scharfgezeichneten Pixel farblich vom umliegenden Bereich unterscheiden müssen, bevor scharfgezeichnet werden soll. Der vorgegebene Standardwert ist hier 0. Dies führt dazu, dass alle Pixel ausgewählt werden.

 

Nun, zurück zu unserem Beispiel. Um mehr Details im Fell des Hundes darzustellen, habe ich die Stärke des Filters auf 60%, den Radius auf 1,3 Pixel eingestellt.

 

Hier das Ergebnis:

 

 

 

 

Wie bei vielen Funktionen in der elektronischen Bildbearbeitung gilt auch hier: üben, Grenzen austesten und nochmals üben. Sie werden staunen, was man bei manchen Fotos durch unscharfes maskieren an Details hervorheben kann.

 

Ein weiterer kleiner Tipp zum Schluss: kleinere Effekte des Schärfens erzielt man unter Umständen schon durch Anhebung des Kontrasts und der Dynamik.

 

Viel Spass bei der Bearbeitung ihrer Fotos wünscht Ihnen

 

ihr

 

Detlef Koester